Bitcoin und die Kryptomärkte 2017 und heute — Teil I: Preisentwicklung und globale Einflussfaktoren

Bitcoin brach im November auf einigen Börsen kurzzeitig seine im Dezember 2017 gesetzte Höchstmarke und $BTC scheint in diesem Jahr Preis-Akzeptanz zu finden, wo er vor nunmehr drei Jahren nur kurz gehandelt wurde. Wie haben sich die Kryptomärkte, wie hat sich die Welt in diesem Zeitraum verändert und was könnten diese Entwicklungen für das Jahr 2021 bedeuten?

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Der Blick zurück auf die letzten drei Jahre zeigt einen Reifeprozess, der sich nicht nur auf Bitcoin beschränkt, sondern die gesamte Infrastruktur der Kryptosphäre betrifft. Die Marktteilnehmer haben sich in vielerlei Hinsicht verändert und das ist nicht zuletzt auch eine Folge von makroökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Trends, die sich im Verlauf des Jahres 2020 noch einmal deutlich verschärft haben. Besonders seit dem Crash der globalen Märkte im März und der in den Monaten darauf folgenden spektakulären Erholung des Bitcoin Preises wurde deutlich, dass sich die Situation im Vergleich zur Bitcoin-Manie in 2017 fundamental verändert haben könnte. Dies lässt sich auch an der Preisentwicklung ablesen:

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Preisentwicklung

Ende November erzielte Bitcoin das bisher höchste monatliche Close in seiner Preisgeschichte ($19682 auf dem Brave New Coin Index) und setzte damit ein Zeichen für Preisakzeptanz in einer Region, die im Dezember 2017 noch deutlich im Zeichen der Distribution stand. Tiefere Korrekturen sind nach derartigen “dochtlosen” Kerzen nicht untypisch (siehe zum Beispiel die Kerzen im August und Oktober 2017 auf dem obigen Chart). Für den Ausblick auf 2021 ist diese Formation allerdings sehr vielversprechend. Das derzeitige Preisgeschehen erinnert so auch mehr and den Test des damaligen Allzeithochs von $1177 im Januar 2017 als an den Höhepunkt des letzten Bullenmarkts:

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Auf dem Chart ist gut sichtbar, wie ein erster Versuch, das Allzeithoch zu durchbrechen, fehlschlägt und eine Preiskorrektur von 36,35% auf dem Brave New Coin Index nach sich zieht, die über einen Zeitraum von einer Woche (hier enthalten in der monatlichen Kerze) stattfindet. Runter geht es dabei ähnlich schnell wie es zuvor herauf ging. Selbst nach dem Bruch des Allzeithochs lauert eine tiefe Korrektur, an deren Ende der Preis einen höheren Tiefpunkt setzt und damit seinen andauernden Aufwärtstrend bestätigt, der sich im Verlauf des Jahres 2017 zu dem aufsehenerregenden Bullenmarkt entwickelte, nach dem sich viele Anleger im Kryptobereich noch heute zurücksehnen. Könnte sich die Geschichte in dieser Hinsicht wiederholen? Bevor wir auf die Unterschiede zwischen 2017 und heute eingehen, gilt es einige Aspekte festzuhalten, die durchaus für ähnliche (positive) Rahmenbedingungen der Preisentwicklung sorgen.

So geht zum Beispiel die Menge der Bitcoin, die auf den zentralisierten Börsen zum Handel zur Verfügung stehen, seit dem Crash im März stetig zurück. Die gleiche Tendenz ließ sich im Jahr 2016 auf dem Weg zum Test des damaligen Allzeithochs beobachten:

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Diese “Versorgungskrise” bietet gute Rahmenbedingungen für einen stetigen Anstieg des Preises und es ist kein Zufall oder eine Laune des Marktes, dass sie nun, vier Jahre später, wieder auftritt. Teil von Bitcoins ökonomischen Modell ist es, dass eine sich über die Jahre bei gleichbleibender Nachfrage verschärfende Versorgungskrise einprogrammiert ist:

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Etwa alle vier Jahre findet ein sogenanntes “Bitcoin Halving” statt, also die Halbierung der Belohnungen, die Miner für das Minen eines neuen Blocks und das validieren der darin enthaltenen Transaktionen auf der Bitcoin Blockchain erhalten. Dieses Ereignis fand zuletzt im Mai diesen Jahres statt. Auf dem Chart links lässt sich deutlich erkennen, wie das Jahr des Halvings in den Bitcoin Marktzyklen die Rolle einer Konsolidierungsphase nahe des vorangehenden Allzeithochs erfüllt.

Zuletzt sei eine Parallele zwischen 2017 und 2020 genannt, die sich auf die Preisfindung aller gehandelten Assets auswirkt, aber im Bezug auf Bitcoins Versprechen als potentieller Inflations-Hedge eine besondere Bedeutung hat: Der US-Dollar befindet sich 2020 wieder in einem starken Abwärtstrend. Das Ende des Dollar-Abwärtstrends in 2017 markierte zugleich das Ende des Krypto Bullenmarkts. Bisher ist die Dynamik des Trends im Jahr 2020 ungebrochen und die makroökonomischen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen der jüngsten Zeit geben Grund zur Annahme, dass sich der Trend im folgenden Jahr fortsetzen könnte.

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Makroökonomische, gesellschaftliche und politische Entwicklungen

Im Verlauf des Jahres haben sich, nicht zuletzt durch die COVID-19 Pandemie und die mit ihr verbundenen Maßnahmen, weltweit Bedingungen entwickelt, die sich als “perfect storm” für Bitcoin, den Blockchain Technologie Sektor und Digitale Assets herausstellen könnten.

Makroökonomische Entwicklungen

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Der für das wachsende Interesse an Bitcoin wohl wichtigste ökonomische Faktor ist das enorme Wachstum der Geldmenge im Verlauf des Jahres. Der Trend zur Expansion der Währungen besteht seit dem Niedergang des Bretton Woods Systems, seit Beginn der Nullerjahre hat er sich allerdings nochmals deutlich verschärft. Quantitative Easing Programme und Niedrigzins-Politik der Zentralbanken befeuerten diese Entwicklung. Corona Hilfspakete und Stimulus-Zahlungen haben die Lage im verlauf dieses Jahres endgültig eskalieren lassen. So wurden 20% der sich im Umlauf befindlichen US-Dollar der M2 Geldmenge im Jahr 2020 erschaffen. Die Geschichte Bitcoins ist seit jeher eng mit einer Kritik am bestehenden Bankenregime verknüpft. Das Whitepaper erschien am 31. Oktober 2008, nur wenige Wochen nach dem Niedergang der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers während der Weltfinanzkrise. Damit kann das von Satoshi Nakamoto entworfene dezentrale Zahlungsnetzwerk als direkte Antwort auf ein als fehlerhaft angesehenes Finanzsystem angesehen werden:

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“Banks must be trusted to hold our money and transfer it electronically, but they lend it out in waves of credit bubbles with barely a fraction in reserve. We have to trust them with our privacy, trust them not to let identity thieves drain our accounts. Their massive overhead costs make micropayments impossible.” — Satoshi Nakamoto, 11. Februar 2009 (http://p2pfoundation.ning.com/forum/topics/bitcoin-open-source)

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Die Gesamthöhe des Corona-Hilfspakets der Europäischen Zentralbank beläuft sich mittlerweile auf 1,85 Billionen Euro. Japan erhöhte erst vor wenigen Tagen sein Budget für Stimulusprogramme um 708 Milliarden US-Dollar. In den Vereinigten Staaten diskutieren Republikaner und Demokraten derweil über eine Aufstockung des CARES-Acts in einer Höhe von 916 Milliarden bis 2,2 Billionen US-Dollar. Die Vereinigten Staaten sind dabei besonders schwer von der Pandemie betroffen und ein Blick auf die Entwicklung der Fallzahlen lässt annehmen, dass die US-Amerikaner auch im nächsten Jahr noch alle verfügbaren Kräfte mobilisieren müssen, um der Lage Herr zu werden. Elf Jahre nach der Validierung der ersten Bitcoin Transaktion im Nachklang der Weltfinanzkrise findet sich die Welt fiskalpolitisch also in einer Situation wieder, für die Bitcoin ausdrücklich geschaffen wurde.

Gesellschaftliche und politische Entwicklungen

Trotz der gigantischen fiskalpolitischen Kraftanstrengungen leidet das Vertrauen der Bevölkerungen in ihre Regierungen in vielen Staaten aufgrund der Belastung, die die gesundheits- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie mit sich bringen. Der Trend der Abkehr von staatlichen Institutionen und des Vertrauensverlustes in politische Eliten besteht nicht erst seit der COVID-19-Pandemie, allerdings wirkt sie vielerorts als Katalysator für schon vorhandene gesellschaftliche Erosionsvorgänge. Von Anfang an war Bitcoin nicht nur als Alternative zu den zentralisierten Zahlungsmitteln der Banken gedacht, sondern auch als libertäres Netzwerk von Individuen, die — nur regiert durch den Code der Blockchain — Zahlungen aneinander über ein gegen staatliche Zensur resistentes Netzwerk tätigen können. Hier findet sich also ein weiterer Aspekt, der zum wachsenden Interesse an der Kryptowährung und dem im Hintergrund wirksamen Ethos beiträgt. In den Worten von Satoshi Nakamoto:

“Yes, but we can win a major battle in the arms race and gain a new territory of freedom for several years.

Governments are good at cutting off the heads of a centrally controlled networks like Napster, but pure P2P networks like Gnutella and Tor seem to be holding their own.” Satoshi Nakamoto, 6. November 2008 (https://satoshi.nakamotoinstitute.org/emails/cryptography/4/#selection-43.0-47.168)

Neben einem Wandel im Verhältnis zum Staat haben Lockdowns und weichere Vorkehrungen zur Eindämmung der Pandemie auch zu einem Schub in der Adoption neuer Technologien geführt, der wahrscheinlich gerade erst begonnen hat. Arbeit im Homeoffice, Shoppen im Internet, größere Akzeptanz der Sammlung und Überwachung medizinischer und geographischer Daten (dies ist in Asien noch weit stärker ausgeprägt als in Europa und den Vereinigten Staaten) verändern den Alltag ganzer Bevölkerungen rund um den Globus. Automation und Überwachung gewinnen als Innovationssektoren an Bedeutung und werden in Zukunft große Mengen an sensiblen Daten generieren. Die Pandemie als globale Krise funktioniert in dieser Hinsicht ähnlich wie Kriege, die historisch häufig mit Sprüngen auf der Leiter technologischer Innovation einhergingen.

Ähnlich wie der Aktienmarkt in diesem Jahr starke Kursgewinne bei Firmen erfuhr, die in den sogenannten “Corona-Basket” passten (zum Beispiel Videotelefonie und -konferenz-Dienstleister wie Zoom) profitierten auch die Blockchain Industrie und Krypto als Assetklasse von einem Trend zur Distanz. Automation und autonome Netzwerke sind eine Idee, die in ihrem Kern zutiefst “anti-sozial” im traditionellen Sinne ist oder zumindest das Soziale anders in Erscheinung treten lässt: Arbeitskollegen werden zu Netzwerkteilnehmern, Kunden an der Ladentheke werden zu Datenpunkten in einem zu optimierenden und zu sortierenden Strom. Die technologischen Innovationen in diesem Bereich zeigen die Notwendigkeit für kryptografisch gesicherte Systeme und Quellen validierter und “wahrer” Datensätze auf. Blockchain hält hierfür die Lösung parat und das ist für Akteure in Industrie, Handel und Politik heute deutlicher und klarer ersichtlich, als es noch 2017 der Fall war.

Ausblick

Im zweiten Teil unseres Beitrags zur Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart der Kryptomärkte widmen wir uns der Frage, wie sich die Zusammensetzung der Marktteilnehmer in den vergangenen Jahren verändert hat. Neben quantitativen und Blockchain-forensischen Einblicken werden Gründe für das wachsende Interesse institutioneller Investoren in Bitcoin und Ethereum erörtert. Hierbei spielt unter anderem das starke Wachstum der Infrastruktur eine wichtige Rolle.

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